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GEGENSÄTZE –
Gedanken zur Ausstellung von Ilona Pfister, Dresden
U.R.Galerie, Kunsthofpassage Dresden – 14.05.2011
Liebe Damen und Herren, verehrte Kunstfreunde,
liebe Ilona Pfister –
ein belebter, interessanter, gesprächsreicher Samstag –
das Frühlingsfest im Kunsthof – neigt sich allmählich
dem Ende entgegen. Und nun zum Ausklang des Tages, noch ein
schöner Höhepunkt –
die Eröffnung der 2. Ausstellung 2011 in der U.R.Galerie
mit dem Ausstellungsnamen – GEGENSÄTZE –
inhaltlich gefüllt mit Arbeiten der Textilgestalterin Ilona
Pfister aus Dresden.
GEGENSÄTZE – ein uns vertrautes Thema.
Hineingeboren in den Gegensatz von Tag und Nacht kann sich kaum
ein lebendiges Wesen dieser Gesetzmäßigkeit entziehen.
Es wird hell und dunkel, warm und kalt, wir sind umgeben von
Großem und Kleinem, Leichtem und Schwerem, von Licht und
Schatten, Sonne und Mond...
GEGENSÄTZE – bestimmen unser Leben. Wir sind froh
und traurig, munter und müde, leise und laut, gut und böse,
mollig und schlank ...und, und, und ... und ist das nicht reizvoll
– diese Abwechslung?
Wie langweilig und eintönig wäre unser Dasein, wären
wir alle gleich gebaut, alle immer fröhlich, wäre
es immer hell ...
All unsere Stimmungen, unsere Empfindungen, unsere Dialoge unterliegen
diesen Gegensätzen und bieten Möglichkeit, beide Seiten
der Medaille zu beleuchten.
Ein Feld, was zu bearbeiten sich lohnt – für sich
selbst und für andere: Das Leben!
Denn beim Leben des Lebens stoßen wir ja auf diese Gegensätze
–
so schließt sich der Kreis und ein Ergebnis dieser Betrachtungen,
umgesetzt mit textilgestalterischem Können, präsentiert
sich in der heutigen Ausstellung. Wir haben es der Entdeckerfreude
der Galeristin Ulrike Rüttinger im Jahre 2006 und der in
Dresden lebenden Textilgestalterin und Lehrerin Ilona Pfister
zu verdanken, heute hier eine neue Ausstellung zu betrachten.
Seit dieser Zeit verloren sie sich die beiden Frauen nicht mehr
aus den Augen.
So haben wir heute das Glück, eintauchen zu dürfen
in eine Welt voller Gegensätze – gestalterisch, farblich,
wie auch materialtechnisch. Die Arbeiten fesseln uns, sie lassen
unsere Augen länger auf ihnen verweilen – trotz der
Gegensätze so viel HARMONIE. Wie kann das sein?
Die beste Erklärung für diese Wirkung gibt uns, der
550 vor Christus geborene Philosoph Heraklit. Er stellte fest:
"Die schönste Harmonie entsteht durch Zusammenbringen
der Gegensätze".
Für Ilona Pfister, seit 1990 Lehrerin für Fachhandarbeit
an der Freien Waldorfschule Dresden bedeutet das konkret: experimentieren,
Neugierig sein, suchen, erkunden, hinterfragen, skizzieren,
entdecken, entwerfen, ruhen lassen, fest halten.
Ausgangspunkt für den Mut und das Können bildete 1979
ihr Abschluss an der Spezialschule für künstlerische
Textilgestaltung in Dresden und der Abschluss zur Textildesignerin
1987-88 im externen Studiengang an der Fachschule für angewandte
Kunst in Schneeberg mit dem Schwerpunkt Sticken.
Eine kontinuierliche Ausstellungstätigkeit über die
Jahre bestätigt ihr Arbeiten-können auf künstlerisch-gestalterischem
Gebiet. Zeugnis legen Arbeiten verschiedenster Serien ab. So
widmete sie sich z.B. den Themen: Wildes oder Weiches.
Die Ausstellung GEGENSÄTZE besticht durch Konzentration
in der farblichen Gestaltung zwischen Weiß und Schwarz.
Eine Art Ruhe empfängt uns. Eine Wohltat im Farbkarussell
unserer bunten Welt! Und dennoch sind die Bilder voller Bewegung,
voller Spannung – eine gelungene Bildgestaltung übermittelt
uns das Anliegen der Gestalterin. Sie will Gestalt geben!
Um das zu erreichen, damit wir Betrachter die "Gestalt"
empfangen können –
in Form von Botschaften, Gefühlsregungen, Empfindungen
arbeitet sie schwerpunktmäßig und voller Liebe in
der Collagetechnik. Hier ist man frei, fast grenzenlos, was
Materialvielfalt und Experimentierfreude angeht.
Die Collage, aus dem Französischen, so viel wie leimen,
Geleimtes, Klebebild, ist eine von den Kubisten George Braque
und Pablo Picasso entwickelte Arbeitsmethode, bei der verschiedene
Materialien, Zeitungen, Fotos, Stoffe zu einem Bild zusammenmontiert,
geklebt werden. Kunstrichtungen, bei denen Collagen und Montagen
eine große Rolle spielten und bis in heutige Zeit spielen,
waren und sind außerdem der Dadaismus mit Marcel Duchamp,
der Surrealismus mit Salvador Dali, die Pop Art mit Robert Rauschenberg,
der Fluxus mit Joseph Beuys die Mail Art mit Ray Johnson, um
nur einige bekannte Vertreter dieser Kunstrichtungen zu nennen.
Für Ilona Pfister ist die Collage genau die richtige Variante,
um mit den zahlreichen Materialien zu spielen, zu schauen, auszuloten,
welche Entwicklung die Faser nehmen könnte, ob Freundschaft
oder Distanz das Zusammenleben im Bild bestimmen wird. Da ist
kein Platz für nur „schönen, niedlichen Filz“.
Hier geht es um Infragestellungen und Auseinandersetzungen,
um Durchsetzungsvermögen, um Mut und Träume, hier
wird überlagert, gerissen, verwittert, verbunden –
hier geht es ihr um Metaphern für unser Leben.
Neben zahlreichem Skizzenmaterial findet man bei ihr aber auch
großformatige Arbeiten, die gezeichnet und gemalt sind,
trotzdem so weich wie textiles Material anmuten und man sieht
Linien, Genähtes, Gesticktes – nein – doch
Gezeichnetes. Eine klare Handschrift macht sich deutlich, ist
man länger mit den Bildern im Dialog, ganz gleich, welche
Technik zum Einsatz kommt. Faszinierend aber immer die grafische
Sensibilität, erzeugt durch die Linie, zum Teil unterbrochen,
aneinander reibend, nebenher laufend, sich ergänzend, zerbrechlich
wirkend –
das sind meist Hand- (weil virtuoser), seltener, aber auch maschinegestickte,
zart schimmernde oder deutlich auffallende Fadengebilde. Dem
entgegen steht die Fläche: groß, dunkel, filzig,
fein oder aus grobem Material.
Spannung liegt in der Luft!
Das muss an den Gegensätzen liegen.
Und so schließt sich zum zweiten Male der Kreis unserer
Betrachtungen zum Thema der neuen Ausstellung in der U.R.Galerie.
Somit eine runde Sache, in diesem Sinne können wir zufrieden
und voller Zuversicht die Ausstellung an noch viele interessierte
Besucher weiter empfehlen,
und bedanken uns bei Ilona Pfister und Ulrike Rüttinger
für die heute erlebte Bereicherung.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
Kathrin Christoph
Copyright: Kathrin Christoph |